Dienstag, 10. Februar 2009

Checkpoint eLearning im Zeichen der Silver Surfer

Gleich 12 Artikel seiner neusten Ausgabe widmet Checkpoint eLearning den Silver Surfern, jener schwierigen Zielgruppe Generation 50+: von der "Senioren Lernplattform: Lernen für Online-Oldies" über "Zielgruppenorientiertes eLearning für 'Silver Surfer'" bis zu "Hintergründen der '50plus-Etikettierung'" reicht der Bogen.

Ich stürze mich auf jeden Artikel, denn: hier geht es um mich - mit Mitte 50 steuere ich unter vollen Segeln weiter in den Seniorinnenstatus hinein, und wenn ich auch mein biologisches Alter nicht aufhalten kann, kann ich vielleicht das Ruder noch mal herumreißen und an der frischen Brise der digitalen Luft schnuppern.
Was wird mir geboten? Zum Glück diesmal nichts in Richtung seniorengerechter Tastatur; das würde mich auch ernsthaft ärgern, habe ich mir doch jüngst ein "Netbook" zugelegt.
Ich schaue mal im Artikel "Senioren Lernplattform" vorbei und lese:
"Derzeit werden vor allem Kurse zu technischen Fragen angeboten, wie zur Internet-Telefonie, Bild- und Videobearbeitung, Erstellung von Homepages und zum Betriebssystem Windows. Zur Darstellung der Inhalte und zur Kommunikation nutzen die Tutoren modernste Web 2.0-Technologien. Auf diese Weise werden die Senioren automatisch an gängige Technologien herangeführt und können locker mitreden, wenn es um virtuelle Klassenräume Twitter, Blogs, Podcasts oder Wikis geht."
Ich schaue mich in meinem beruflichen Umfeld um und erinnere viele Gespräche, die ich mit Kollegen und Kolleginnen jeder Altersgruppe in den letzten 1,5 Jahren führte: ob alt, ob jung: wie oft hörte ich, was ist denn das nun eigentlich, dieses Web 2.0, von Twitter mal ganz zu schweigen. Und weitere Blicke rundum zeigten und zeigen, dass nicht wenige dieser "schwierigen Generation" (Zitat aus "Wikipedia: Wissen 50plus ist gefragt"), eben wir 50+ mittendrin sind, Hauptakteure sind. Mein Appell an die Seniorenplattform: Ja bitte, macht uns fit, dann können wir vielen unter 50 zeigen, wie es bloggt und twittert.

Führt mich das zielgruppenorientierte Lernen für Silver Surfer weiter? Ja, denn zu der Gruppe gehöre ich offensichtlich doch noch nicht, denn hier ist von Personen im Lebensalter 60 - 75 die Rede. OK, also bin ich Generation 50+, aber kein Silver Surfer. Peter Georgieff, einer der Herausgeber der Studie "Zielgruppenorientiertes eLearning für Kinder und ältere Menschen"des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe:
"Das Ziel der angebotenen Dienstleistungen besteht in aller Regel darin, die Teilhabe der älteren Menschen an neuen Kommunikationsmedien zu fördern, die allgemeine Medienkompetenz zu schulen bzw. zu stärken. Zielgruppenorientierte eLearning-Produkte für ältere Menschen müssen daher auf die Vermittlung von Medienkompetenz ausgerichtet oder sehr stark differenziert sein, um die verschiedenen Motivationen und Interessengebiete bedienen zu können."
Mein Fazit dann doch ein wenig: siehe oben, zumal sich durch die Hintertüre der Gedanke einschleicht: sollte nicht jedes Training zielgruppenorientiert sein? Bei den Spielplattformen klappt das: Kleine Feen und alles in Rosa für die Mädchen, Hau drauf und flotte Flügelflitzer für die Jungs - das kriegen wir bei den Silver Surfern dann auch noch hin.

Wie erfrischend lesen sich dagegen im Artikel "Kompetenz kennt kein Alter" Sätze wie:
  • "Statt den Blick auf Defizite zu richten, sollten Unternehmen eine positive Haltung gegenüber erfahrenen Mitarbeitern und deren Lernen entwickeln. Bei der Analyse des Bildungsbedarfs sollten die Potenziale der Mitarbeiter im Mittelpunkt stehen. Idealerweise realisieren Unternehmen eine lernförderliche Führungskultur, welche die Potenziale der Beschäftigten im Blick hat.
  • Unternehmen müssen sich von der Sichtweise verabschieden, dass ältere Mitarbeiter per se Defizite aufweisen.
  • Es ist sinnvoller, altersunabhängig die individuellen Kompetenzen jedes Mitarbeiters zu entwickeln und nicht immer auf den eventuell bevorstehenden Renteneintritt zu schielen. Letztlich muss in den Unternehmen ein Paradigmenwechsel erfolgen, der eine Änderung der Einstellung zum Lernen erfordert. Es geht dabei um einen Kulturwandel, also um den Aufbau einer Lernkultur mit Wertschätzung gegenüber allen Mitarbeitern. "
So richtig wohl fühle ich mich dann, wenn ichbei Elke-Heidrun Schmidt "Hintergründe zur "50plus-Etikettierung" lese:
"In diesem Zusammenhang ist auf die Gefahr zu verweisen, die von einer "50plus-Etikettierung" (allgemein, aber auch in Zusammenhang mit Weiterbildungsangeboten) ausgeht: Denn wenn sich, auch aufgrund solcher Angebote, im gesellschaftlichen Bewusstsein die Auffassung vom 50. Geburtstag als Schwelle zum "Altsein" festsetzt, kann dies fatale Folgen für die betroffenen Menschen haben, die in diesem Alter mehrheitlich noch lange am Berufs- und Gesellschaftsleben teilnehmen und dies aktiv mitgestalten wollen."
Jawohl! Gegen die Etikettierung, welcher Art auch immer! Weder sind alle Jungen Digital Natives noch sind alle Alten schwierig und fernab vom Digitalen. Zur Zielgruppe ein bedingungsloses Ja, zur Etikettierung ein unabdingbares Nein.

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