Freitag, 24. April 2009

#3 EduCamp in Illmenau April 2009 - Mein Erleben

Nebenstehendes Logo begleitete meine Vorbereitungen schon eine ganze Weile, denn ich war schon recht gespannt: was wird mich in Ilmenau erwarten.
Ich genoß - und hier wirft meine Einschätzung schon ihre sprachlichen Schatten voraus - mein erstes EduCamp, mein erstes BarCamp.

Um es dann weiter vorwegzunehmen: es war großartig, ein Erleben, das ich nicht missen möchte. Warum?

Die Organisation
Unkonferenz - dies Wort schwebte im Hinterkopf, hatte ich es doch im Zusammenhang mit BarCamp gelesen. Als mal so halbwegs durchorganisiert im täglichen Berufsleben glaubte ich mich auf ein organisatorisches Wagnis einzulassen. Weit gefehlt. Ich bin noch heute verblüfft davon, in welch schwindelerregender Zeit die Sessionpläne für 1,5 Tage inkl. Vorstellung der Sessions unter Dach und Fach, besser: verankert im Excel-Sheet waren. Ich habe den Beweis erlebt, das über hundert Menschen sich zügig organisieren können. Meine Hochachtung für Organisatoren/-innen und Mitwirkende.
Ist ja kein Wunder, könnte man sagen: wer schon nach Betreten der Halle so freundlich, aufmerksam und informativ akkreditiert wurde, der oder die kann ja nicht anders als einfach nur mitmachen.
Das paßte - kann ich nur sagen: bis Sonntag nachmittag erlebte ich als Teilnehmende eine hervorragend organisierte Konferenz - übrigens mit für mich überraschend gutem Catering -, die anderen Konferenzen in nichts nachsteht. In einem Interview bei Bildung im Dialog wurde zwischen Profi-Konferenzen und dem EduCamp verglichen. Ich habe Probleme mit der Gegenüberstellung professionell vs. EduCamp. Für mich war die Organisation professionell. Zum anderen Aspekten später.

Die Podiumsdiskussion
Eine Herausforderung nach 6-stündiger Autobahnfahrt in strömenden Regen: alles in Englisch, Gründe kann ich nachvollziehen bei internationalen Gästen, aber für meinen müden Geist üppige Kost. Da blieb der ein oder andere Beitrag nicht so ganz haften oder schwer verdaulich. Insgesamt erlebte ich die Podiumsdiskussion als angenehme Einstimmung in's EduCamp - nach Jahrzehnten saß ich als Zuhörerin mal wieder in einem Unihörsaal, konnte meine müden Knochen an die üblichen Holzstühle schmiegen, mich in aller Ruhe im Auditorium umschauen und dann in meinem Twitterstream lesen "Ich sehe Dich" (Maschendraht hatte mich entdeckt). Ich war angekommen.

DieEdudLounge
schloß sich unmittelbar an die Podiumsdiskussion an, heißt: raus aus dem Auditorium und schwups, mittenrein ins Geschehen. Das habe ich so noch nicht erlebt. Während ich auf anderen Konferenzen eher moderat vorsichtige Annäherungen beobachte (und selbst betreibe), fühlte ich mich hier gleich mittendrin. Von "Ach Du bist das" bis fast schon rein in die Bildungsthemen - ich fragte mich, ist das jetzt Unkonferenz? Rege Gespräche nahm ich allerorten wahr, führte ich selbst, und nur meine Müdigkeit ließ mich den Rückzug antreten.

Die Sessions
erwartete ich mit Spannung. Ich besuchte 6 Sessions: fast klassisch: PowerPoint + Präsentator/-in, aber eben nicht klassisch. Dies möchte ich für mich verdeutlichen am Vortrag von Ingo Karge, IBM Enterprise 2.0: Ich beginne mit meiner "Befürchtung", die ich hier mich offen auszuschreiben getraue: bekomme ich jetzt (wieder) einen Vortrag, wie hervorragend alles in einem Unternehmen läuft, das zufälligerweise die entsprechende Software bereitstellt? Ich entschied mich zur Teilnahme, ein guter Entschluß, denn was Ingo Karge vermittelte, waren Fakten und eine Portion Begeisterung für die Sache, sprich Einsatz anderer Instrumente z. B. am Beispiel E-Mail. Ob nun aus Unternehmens-, Hochschul- oder Schulsicht: die dargestellten Fakten und Beispiele brachten die Sinnhaftigkeit, sich mit den Instrumenten des Web 2.0 auseinanderzusetzen, klar zum Ausdruck.
Von virtueller Welt (die virtuelle Knete von Andreas Mertens beeindruckt mich jetzt noch) über stabile Arbeitsweisen und Projektbeziehungen im Netz (Jeanpol Martin), von Die Bildung hacken bis Maschendraht und mehr: Engagierte Vortragende, diskutierfreudige Teilnehmende prägten jede Session, die ich besuchte.
Profi-Konferenz vs. EduCamp: Ja, auch ich habe Unterschiede wahrgenommen. Gemeinsam ist das stramme Programm, unterschiedlich ist die Art der Präsentation, die per se Diskussion und Austausch vom ersten Satz den Weg bereitet. Ich möchte folgendes Bild bemühen: die Präsentationen ließen energetische Funken bei den Teilnehmenden sprühen.

Wünschen würde ich mir, dass wir auf EduCamps die Wenn-und-Aber-Bedenken bitten, den Raum zu verlassen. Bei dem hohen kreativen Potzenzial und dem Engagement, das ich in den Sessions wahrgenommen habe, brauchen wir sie gar nicht. Die Wenn und Aber kommen eh um die Ecke marschiert, wenn wir zurück am Arbeitsplatz sind. Ich fühle mich durch das EduCamp schon wieder ein wenig besser ausgerüstet, den Wenn und Aber zu begegnen, getragen von einer Gemeinschaft.

Die Menschen oder die Materialisierung der Fotos / Avatare

Ich war höchst gespannt, den Menschen, die ich bisher durch Tweets, Pinnwandeinträge, ein Ja bei Freundschaftsanfragen oder eigenen Anträgen kannte, nun in Persona zu begegnen. Es war in der Tat eine menschliche Begegnung, ob ich mit den Betreffenden nun schon "getweetet" hatte oder sie neu kennen lernte. Und hier, glaube ich, liegt der wahre Geist des EduCamps, der Netzwerke wie Maschendraht oder Die Bildung hacken und viele mehr.

Ob "Darf ich Dich mal interviewen", ob Austausch oder fast einstündiges Zurückziehen für intensive Gespräche - eine derartige Intensität ist mir nicht oft begegnet. Ein derartiger Geist aber auch nicht, ein Geist, der die Teilnehmenden konsequent und beharrlich an der steten Verbesserung von Bildung und Erziehung, Lernen und Lehren arbeiten läßt.

Der Versuch
ging mir nicht so locker über die Tastatur, das hatte sehr viel mit "ich trau mich jetzt" zu tun: twittern, was ich in den Sessions für twitterwertig hielt. Sicherlich verbesserungsbedürftig, aber eine Erfahrung wert. Die Twitterfreunde, die mein Üben strapazierte, mögen mir vergeben.

Das Fazit
  • teilnehmen, wer immer es ermöglichen kann,
  • netzwerken, den gemeinsam kommen wir weiter (Beweis s.o.)
  • ausprobieren, im Netzwerk ist immer jemand, der weiterhilft,
  • nächster EduCamp-Termin: EduCamp in Graz im November

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