Montag, 15. Juni 2009

Wissenswert Blog Carnival im Juni: Warum ich twittere.

Warum twitterst Du eigentlich?

Die Frage des neuen Blog Carnival von Wissenswert, fast schon ein Tweet, oder? Wer von "uns Twitteren" fühlt sich da nicht angesprochen? Es scheint, etliche, denn in nicht wenigen Beiträgen wurden schon viele Antworten und Gründe zusammengetragen.

Warum soll noch ich etwas dazutun, sind nicht meine Gründe schon hier und da und dort genannt? Ich habe mich dennoch entschlossen, auch das Meinige in das kausale Gezwitscher zu posten. Es gibt nicht nur Gründe, warum ich twittere (siehe unten), sondern auch, warum ich mich zu einem Beitrag entschieden habe: "Wer braucht Twitter?" fragte Johannes Thönneßen Anfang Mai und prognostiziert Twitter:
"Überzeugt bin ich danach immer noch nicht, und wenn ich eine Prognose abgeben müsste, würde ich tippen, dass Twittern ein vorübergehendes Phänomen ist. Abwarten..."
So nicht, dachte ich, ich investiere doch nicht einen Teil meiner Zeit in vorübergehende Phänomene, es kann doch nicht sein, dass ich aus so einem Phänomen einen so großen Nutzen ziehe und das dann einfach wieder aufhört! Mitmachen beim Blog Carnival ist meine Antwort.

Ich erlaube mir, mit einem Zitat von Herrn Thönneßen zu beginnen:
"Mir erschließt sich der Sinn nicht: Wen sollte es interessieren, dass ich gerade in der Sonne sitze und versuche, die Schrift auf dem Bildschirm meines Laptops zu entziffern?"
Wiedererkennungseffekt: ähnlich dachte ich, als ich Twitter zum ersten Mal begegnete, mehr noch: Was soll das? Zentrum meiner Fragestellung war natürlich ich mit meinem persönlichen Blickwinkel. Der gestattete mir durchaus, einen Account zu erstellen und einfach mal zu gucken. Die Beobachtung aus diesem meinem Blickwinkel bestätigte meine Erwartung: das ist nichts! Weg war ich wieder.

Bis mir dann ca. ein halbes Jahr später eine Mail mit einer Einladung zu Twitter in den Postkorb flatterte mit der prompten Nachfolgemail: Vergiß die Vorgängermail, weil...
Zu spät, es war um mich geschehen. Das ist ein Wink des Web 2.0, dachte ich und wagte einen erneuten Einstieg in die Twitterwelt. Das reine Beobachten brachte nichts - es gab nichts zu beobachten für mich: ich mußte (und wenn ich hier von müssen rede, meine ich auch stets "wollen") was tun, nämlich folgen und lesen.

Mache ich heute noch: Folgen und lesen.
  • Darum twittere ich: Interessanten Menschen folgen und ihre Beiträge lesen. Das klingt vedächtig nach Informationsüberfluss, aber ich lernte und lerne, mit den Beiträgen umzugehen. Ja, es gibt die Botschaft mit "In-der-Sonne-Sitzen" (Geständnis: ich glaube, ich habe das auch schon mal gemacht) - aber ob ich's lese oder nicht, entscheide ich je nach Zeit, nach Laune, nach Interesse, denn
  • Darum twittere ich: für mich ist twittern eine gute Toleranzübung. Je mehr Personen ich folgte, desto vielfältiger waren und sind zwangsläufig die Beiträge: ein bunter Reigen von Sachinformationen, Fachfragen bis hin zur Meldung über die soeben geöffnete Weinflasche und nun sei Zeit zum Entspannen. Einfach mal aushalten, das Geschriebene so stehen lassen, drüber lächeln oder überlesen - ein breites Feld des Übens für mich. Twittern bedeutet für mich, auch hier und da mal einfach die Finger von Tastatur und Maus zu lassen. Dafür malträtiere ich die genannten Instrumente um so mehr bei Fachinformationen, denn
  • Darum twittere ich: ein wahre Fundgrube des Informationsaustausches bietet sich mir in diesen 140 Silben, die andere von sich geben. Ich bin so vermessen zu behaupten, dass ich früher nie quasi im Vorbeimarsch einfach so durch das "Mitteilungsbedürfnis" anderer an Fachinformation und -wissen gelangt bin. Da wird ausgetauscht, was der Tweet hergibt, wer etwas weiß, gibt's weiter und so hangeln sich die Informationen von Folgendem zu Folgendem. Und ich mittendrin, zumindest in meiner kleinen Twitterwelt. Apropos Welt,
  • Darum twittere ich: in der ich gelandet bin: knapp, präzise, auf den Punkt gebracht - was bleibt den Twitternden denn auch übrig bei den wenig erlaubten Zeichen. Das schätze ich an den Informationen und hilft mir, nicht in der Fülle derselben zu ersticken oder das Wesentliche erst filtern zu müssen. Genial für fachliche Informationen, bereichernd für private "Statusmeldungen" - lese ich am späten Nachmittag den Tweet eines von mir verfolgten amerikanischen Twitterers "Good morning all! What a beautiful day!", dann verpackt jemand, den ich eigentlich gar nicht kenne, den heutigen Tag in einenPositiv-Denken-Geschenk-Tweet und schickt ihn in meine Twitterwelt, in der stets etwas los ist - zum Beispiel
  • Darum twittere ich: Konferenzen oder Bar-/Educamps, egal wo auf der Welt. Zwar nicht ganz mittendrin, aber wenn ich will, kann ich dank flotter Vereinbarungen über ein rautengekennzeichnetes Schlagwort (Hashtag) der Konferenz folgen (das für mich beste Beispiel #hackedu), und mir durch die Vielfalt der Meinungen einen Eindruck verschaffen, wertvolle Anregungen für meine eigene Arbeit gewinnen. Überhaupt ist das mit den Auswirkungen auf die eigene Arbeit so eine Sache, denn
  • Darum twittere ich: durch vielfältige Eindrücke, Informationen, Meinungen kann ich den vielgerühmten Blick über den Tellerrand jederzeit schweifen lassen und vielleicht eines absehbaren Tages dem Wort "Betriebsblindheit" den Erledigt-Stempel aufdrücken. Nicht erledigt, sondern stetig wachsend ist
  • Darum twittere ich: das, was so allgemeinhin als Netzwerk verstanden werden könnte - oder vielleicht eher, wie ich glaube wahrzunehmen - das Netzgewerke: denn wo mein eigenes endet, ist das nächste bereits fest verzahnt usw., usw., mal mit lockeren Fäden, mal mit straffen Leitungen, auf denen die Tweets nur so hin und herflitzen. Und zudem noch alles onlinel, oder doch nicht?
  • Darum twittere ich: Online ist das Transportmittel, aber je länger ich mich in Twitter aufhalte, desto intensiver nehme ich die Menschen wahr. In etlichen Fällen bleibt es nicht bei dem kleinen Bild nebenden 140 Silben; zu wissen, dass hinter dem Tweet ein durchaus lebendiges Wesen steckt und schreibt (auch wenn der gewählte Name eher in Geschichtsbüchern u. ä. zu finden ist), das zu wissen, ist das Eine - das zu erleben, etwas ganz anderes: ob da einer auf seine Prüfung hinarbeitet und um kurzen Blick auf eine Präsentation bittet, ob da jemand nur schlecht drauf ist und 140 Silben Luft abläßt (wobei das meist kürzer vonstatten geht), ob jemand Tipps zu einer Fragestellung hat, ob jemand bei den seinerzeitigen verheerenden Waldbränden in Australien postet: uns geht es gut - ich nehme Twitter wahr (natürlich in unterschiedlicher Intensität, denn ich kann entscheiden, was ich wie mache) als das Verbundensein von Menschen weltweit. Von dem vieles für mich abfällt - das können nur echte, reale Menschen sein, die mir aufgrund meines Blogbeitrages "Bin jetzt in Urlaub" einen Tweet mit guten Urlaubswünschen senden. Ich oute mich hier von meiner menschlichen Seite: das hat mich gefreut und berührt - und so etwas geht online, ohne sich bisher jemals die Hand zum guten Tag geschüttelt zu haben.
  • Darum twittere ich: Tweets können amüsant sein und mal einfach so zwischendurch ein Lachen in den Tag zwitschern. Vielleicht erhöhe ich die Zahl derer, denen ich folge, deshalb nicht in die Tausende - ich könnte mich unter Umständen ja den ganzen Tag nur amüsieren wollen.
Könnte ich noch mehr Gründe anführen - ja, doch mir würde wahrscheinlich keiner mehr glauben, dass auch ich twittere = selbst Tweets schreibe - wer so viel schreibt, kriegt das mit den 140 Silben doch nie hin. Geht aber, und das habe ich bisher nicht erwähnt: ich bin auch aktiv, nicht nur Folgen und Lesen machen dieses Phänomen aus, sondern die aktive Teilnahme aller. Geben und Nehmen - ein einfaches Prinzip, das "beim Twittern" so toll weltweit funktioniert.
Bezug zu den einleitenden Worten: ich mache weiter, nicht nur, weil ich so viel "gewinne", sondern auch, weil ich überzeugt bin, mich nicht in einem Phänomen zu tummeln. Ich nutze meine Chance, Microblogging zu üben, und wenn's denn mal in die Unternehmen kommt, bin ich gut gerüstet.

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