Montag, 21. Dezember 2009

Aktion der Literatenmelu: Mehr Bildung in Blogs

5 Fragen formuliert Literatenmelu in ihrer Blogaktion quasi als Antwort auf den Bildungsgipfel - und der hat's geschafft, denn wenn alle mitmachen, könnte ein buntes Angebot entstehen, aus dem sich die politisch Verantwortlichen munter bedienen könnten.

Schaue ich mir doch die Fragen im einzelnen an und versuche mich mal an kurzen Antworten:
  • Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?
    Ich erinnere mich an meine tolle Grundschullehrerin, der streng liebevoll uns Schülerinnen und Schüler führte. Ein idealer Start in die Schullaufbahn - hätte man meinen können. Die folgenden Gymnasialjahre gestalteten sich dann weniger "liebevoll" - klar, wir waren ja auch und wurden beständig älter. Was mir von Wissen aus dieser Zeit verblieben ist? Während ich manchmal erschreckend feststelle, dass ich offensichtlich gar nicht so viel Wissen im Gepäck in die Folgejahre mitnahm, stelle ich punktuell dann doch fest, dass das ein oder andere zumindest in der Ahnung noch vorhanden sein könnte. Aber ich glaube auch nicht, dass sich mein heutiges Wissen nach zeitlichen Kategorien einsortieren läßt. Lebhafter dagegen sind meine Erinnerungen an Lehrende - gute wie schlechte. Und die Erkenntnis, die wohl auf jeden Schüler und jede Schülerin zutrifft: die Persönlichkeit der Lehrperson ist das A und O des Erfolges: engagierte Lehrer (die hatten wir auch in den 60er Jahren) waren ebenso vertreten und zogen uns mit wie weniger bis kaum engagierte. Ich sehe noch die Geschichtslehrerin mit dem Buch in der Hand vorlesend vor der Klasse stehen.
  • Führt mich zur 2. Frage.: Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt? Vorlesen eben - was mir übrigens in der Referendariatszeit erneut begegnete. Da nur zu meinem Entsetzen, lernte ich doch gerade: so nicht! Medien gab es zu meiner Zeit nicht viele: Buch, Tafel, Heft, Abzüge von der Matritzenmaschine - die gleiche Ausstattung, wie ich sie während der eigenen Referendariatszeit, bereichert um "richtige" Kopien einsetzen konnte. Doch zu der Zeit lernte ich, dass auch diese Medien vielfältiger einsetzbar sind, als ich es in der eigenen Schulzeit erlebte. Rückblickend vermag ich zu sagen: wir sind heute, kurz vor 2010, in einer bevorzugten Situation: uns liegen im Internet so viele kostenlose Medien vor der Maus! Wie anders doch gegenüber "früher", als wir rechnen mußten: Kopien anfertigen = zu teuer oder um 7 Uhr an der Matritzenmaschine stehen.
  • Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern? Es wäre vermessen von mir, ein vollständiges "Verbesserungsprogramm" entwerfen zu wollen - zu lange ist diese meine eigene Ausbildungszeit vorbei und zu wenig weiß ich um die tatsächliche heutige Lehrerausbildung. Ich bin aber überzeugt, dass eine Verbesserung (auch) in der Lehrerausbildung wesentlich von einigen Eckpunkten abhängt:
    Es gilt die Hemmschwelle zu ergänzenden Medien wie Blog, Wiki etc. abzubauen. Was haben wir selbst gelernt? Die Generation der digital Natives ist noch nicht flächendeckend im Berufsleben; zudem kenne ich sehr viele junge Menschen, die ihr Studium gerade hinter sich gelassen haben und nicht wissen, was ein Blog oder ein Wiki ist. Ich kenne eine 9-Jährige, die (leider) konsequent jede Berührung des Computers ablehnt, während ihr Bruder in dem Alter nicht davon wegzubekommen war. Eine Tafel aber kennen alle. Woher sollen die Fachleiter in der Lehrerausbildung die "neuen Medien" kennen? Ist es nicht vielfach unser aller Eigeninitiative, dass viele von uns selbstverständlich bloggen, ggf. in ein Wiki schreiben, twittern usw. Hätte ich auf das Wissen um Social Media innerhalb meines beruflichen Kontext gewartet, würde ich heute nicht diesen Beitrag schreiben, würde weiterhin 1.0 denken. Ich stelle zugleich fest, dass ich im Überschwang der 2.0-Euphorie mein Umfeld schon arg überfordert und strapaziert habe. Geduld war eine Tugend, auf die ich mich besinnen mußte. Nicht müde werden eine Disziplin, die ich mir fast täglich ins Hausaufgabenheft schreiben muß. Geduld wofür? Nicht müde werden wodurch? Vorurteile (die neuen Medien sind nichts für mich, weil...jede und jeder kann beliebige Gründe eintragen), Ablehnung gegen Technik (da habe ich es nicht mit), Sicherheit/Unsicherheit (in dem, was ich kenne und gut kann, bin ich sicher - Neues verunsichert), Festgefahrensein = Alltagstrott und vieles mehr. Es gilt umzudenken - für alle, und eben das ist nicht einfach.
  • Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?
    Viel halte ich davon, wenn's paßt. Man braucht sich nur ein wenig in den schon nicht mehr zählbaren Beispielen im Internet umschauen, was mit den Instrumenten alles möglich ist, mehr aber noch dann mitzubekommen, welchen Spass, welche Freude und welche Motivation Lehrende (und Schüler/-innen) dadurch gewinnen. Doch bin ich vorsichtig geworden, weil allzu oft gefragt wird, kann man das auch mit diesem oder jenem machen und dabei auf die technischen Aspekte Bezug genommen wird. Ich favorisiere die Frage: ich möchte dieses oder jenes erreichen, vermitteln - welche Methode ist die beste? (Das Charmante daran: führt zu Blog, Wiki etc. - muß aber nicht zwangsläufig, und es gilt ja, die beste Methode zu finden).
  • Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?
    Ergänzen unbesehen und mit Nachdruck ja, aber nicht ersetzen. Denn nicht zu jedem Kind / Jugendlichen paßt ausschließlich ein Online-Angebot.

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