Montag, 19. September 2011

Haben sich Ihre Lesegewohnheiten verändert, und wenn ja, wie?


Ich denke über die Veränderung meiner Lesegewohnheiten nach und stelle fest: grundsätzlich unverändert blieb das Lesen lateinischer Schriftzeichen, und zwar die Zeilen von links nach rechts. Als feste Konstante werden diese beiden Tatsachen auch die kommenden Jahre begleiten, aber ansonsten?

Meiner ersten Rufe nach einem eBook begleiteten schon den vorletzten Wohnungswechsel. Alle die, die Bücher lieben und über Jahrzehnte erworben haben, werden dies verstehen: Bücherkisten Ein - und Auspacken ist eine Herausforderung der besonderen Art, der ich mit zunehmendem Alter mit der elektronischen Variante zumindest gedanklich entgegentrat - und weiterhin Bücher kaufe. Das schon annähernd sinnliche Vergnügen, in einer Bücherei nach passender Literatur zu stöbern, das Objekt der Begierde, das in höchster Vollendung einen leichten Duft nach Papier und Leim und Einband verströmt, in Händen zu halten und nach Hause zu tragen, dieses Vergnügen, das ich nicht missen möchte, gipfelt im tatsächlichen Lesegenuss. Der Genuss des realen Buches, besser der Bücher stellt sich auch vor den Bücherregalen ein: da ist mit dem einen Buch die Erinnerung an ein liebevoll verpacktes Geschenk verbunden, mit dem anderen eben eine andere Geschichte - auch dies tausche ich nur dann gegen eine gedachte eBook-Variante ein, wenn ich Staub wischen muss. Ja, mein tägliches abendliches Ritual des Lesens werde ich weiterhin mit dem guten alten Buch zelebrieren und mein Bücherregal weiter anbauen.

Ansonsten aber ist kaum etwas geblieben, wie es war. Die Tageszeitung begleitet nach wie vor den Start in den Tag, doch in optimierter Form: sie ist meine primäre Quelle für regionale Meldungen, doch ob Politik, Wirtschaft oder Panorama: ich hab's doch schon gelesen in meinen RSS Feeds! Na ja, gelesen ist hier und da leicht übertrieben, denn ich habe mir angewöhnt, RSS Feeds eher zu scannen und sofort zu sortieren: relevant - irrelevant. Ist mir dadurch die Geduld, einen Zeitungsartikel in Gänze zu lesen, abhanden gekommen? Während ich auf der einen Seite die meisten Newsletter, die bisher mein E-Mail Postfach befüllten, rigoros abbestellte und, sofern möglich, in RSS Abos umwandelte, so wird auf der anderen Seite die Tageszeitung weiterhin den Weg in meinen Briefkasten finden. Die Regionalinformation brauche ich täglich, und ansonsten ist die Zeitung ja auch vielseitig verwendbar zum Anzünden des Kamins oder Auslegen des Biomülleimers.

RSS läutet meinen digitalen Schwenk ein - heute mein bevorzugtes Lesevergnügen, aber nicht auf dem PC, nein, seit dem Siegeszug eines Tablets in meinen Technik- (andere nennen es Spielzeug-) bestand. Ich gebe zu, dass auch ein eBook die entsprechende "App" befüllt. Ich muss es ja schließlich ausprobieren, oder? Sehr praktisch übrigens bei Arztterminen und sonstigen Wartezeiten. Da ist es schon wesentlich angenehmer, das schmale Tablet statt des 600 Seiten starken Buches in die Tasche zu stecken. Übrigens Zeitunglesen ist mit mobilem Device wesentlich hygienischer als "früher". Man sehe sich nur die abgegriffenen Exemplare in den Wartezimmern an! Nein, da schätze ich meine geänderten Lesegewohnheiten schon sehr. Nachdem ich mich daran gewöhnt hatte, als optisch wahrzunehmender Silver Surfer ein Digital Native-Verhalten zu praktizieren, was auf Smartphone mit ja nicht gerade üppigem Bildschirm nicht ganz so lässig über die Bühne ging wie via Tablet. Das kommt dann schon geübt daher. Übrigens bin ich meist die einzige papierlos Lesende und Schreibende, die jungen Leute haben meist Buch und Papier dabei.

Ich bin zur begeisterten Leserin von Pdf-Dateien auf dem Tablet mutiert. Während es mich am Bildschirm eher ermüdete, gelingt mir das Lesen nicht nur mühelos, sondern auch Markieren, Notizen vermerken usw. stellen kein Problem dar. Das Lesen von Sachtexten hat mir nie zuvor so viel fast schon Vergnügen bereitet. Der Inhalt kann es ja nicht sein, der ist ob print, ob digital derselbe, nein, es muß wohl am Ausgabeformat liegen, dass sich meine Gewohnheit in diesem Punkt so änderte. Mag es daran liegen, dass das Umblättern in der Pdf-Datei auf dem Tablet schon diesen gewissen optischen Charme des Softens in die Folgeseite hat, der einer Einladung zum Weiterlesen gleichkommt?

Ja, meine Lesegewohnheiten haben sich verändert. Es ist einfach praktischer, auf einem handlich schmalen Tablet, das in fast jede "normale" Handttasche passt und sich darin anders als ein Smartphone auch mühelos wiederfinden lässt, alles dabei zu haben (Pdf, Marker, Papier), in "Apps" umfassend sortierte News und im Reader dann auch noch das Buch für den "Notfall".

Aber ich werde nicht, wie das Bild ganz oben vielleicht vermuten lässt, gänzlich in der Digitalisierung aufgehen - ich notiere mir die Lesewunschliste in einer App und mache mich auf den Weg in die Buchhandlung. Vielleicht treffen wir uns ja dort einmal.

PS: Eh ich's vergesse: die Anregung zu diesem Post kam durch den Wissenswert Blog Carnival - Dank an Prof. Dr. Andrea Back und Dr. Jochen Robes, die mir durch den Aufruf eine Selbstreflektion ermöglichten.

Kommentare:

  1. Ein Segen der Medien, dass man aus öffentlichen Selbstreflexionen mitlesen und mitlernen kann!! Genau so stelle ich mir die nahe Zukunft meiner Lesegewohnheiten vor - ich muss nur noch die Lernkurve nehmen, also sage ich mir: Andrea, gib Gas! Danke für diesen humorvollen Beitrag - nennt man das trockenen Humor, oder wie genau?

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  2. Ein sehr netter Beitrag über die Lesegewohnheiten, den ich was die elektronischen Medienbetrifft voll unterstützen kann. Von den gedruckten Medie verabschiede ich mich so langsam, zumindest soweit es möglich ist. Es gibt ja noch nicht alles als eBook.

    Ich kaufe Bücher schon lange online. Einfach weil es mehr Auswahl gibt und man es schnell so nebenbei machen kann. Mit kommt es dabei auch mehr auf die Inhalte an.

    Bei den lokalen Nachrichten sind die Tageszeitungen natürlich klar im Vorteil. Wahrscheinlich aber auch nicht mehr so lange. Die anderen Nachrichten haben ich meist schon in meinen Feeds gelesen, wenn die Tageszeitung kommt. Ich werde mir wohl bald neben dem iPad noch einen eBook Reader zulegen, damit ich im Urlaub mein Buch weiterlesen kann, wenn meine Frau die Tageszeitung auf dem iPad liest. Außer der Bild konnte man nämlich bei unserem Urlaubsort keine Tageszeitung kaufen und die muss es ja wirklich nicht sein.

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