Montag, 2. April 2012

Ein Spaziergang zu den Narzissen, der keiner wurde, und die Bildung

Die Rureifel im Gebiet Hohes Venn und rund um Monschau ist bekannt für ihre reichhaltige Narzissenblüte. Was liegt also näher als an einem zwar recht kühlen, aber herrlich sonnigem Sonntag den Weg dorthin zu suchen.
Suchen ist wahrlich der richtige Begriff: Ein großes Schild am Straßenrand verkündet mit Pfeil nach rechts: Narzissen, und die zahlreichen Autos auf dem Parkplatz lassen erahnen, dass die Blütenpracht bald erreicht sein wird. Doch weit gefehlt.
Zahlreiche Weg führen vom asphaltierten Hauptpfad in den umgebenden Wald ab. Doch von weiteren Hinweisen keine Spur, und auch die ersten Wiesen zeigen zwar den herannahenden Frühling, aber eben keine Narzissen.
Nach einer mageren fotografischen Ausbeute führt der Weg dann doch zum Parkplatz zurück. "Können Sie uns sagen, wie man zu den Narzissen kommt?" Drei Mal wurde uns diese Frage gestellt, die ja nun nicht wirklich zu beantworten war.
So gemächlich über den Asphalt trabend tauchen Bilder vor meinem geistigen Auge auf und schon sehe ich eine Schulklasse in den Wald ausschwärmen, natürlich in Begleitung der zuständigen Ranger und in Abstimmung und Absprache mit den jeweiligen Naturzentren. In der Schule haben die Kinder Schilder vorbereitet, die vor Ort angebracht werden können. Selbstverständlich finden sich auf den Schildern für sehr Wissbegierige QR-Codes, die weiterführende Informationen, vielleicht auch die entsprechenden GPS-Daten enthalten, und für die nicht QR-Code-Kundigen kurze informative Texte - aber vor allem Hinweise, wo denn nun die Narzissen zu finden sind. Die weiterführenden Informationen haben alle in einem Klassenwiki zuvor gemeinsam bearbeitet und ggf. noch mit vernetzten Schulen in Belgien ihre Aktionen koordiniert (hier müssten dann die französischsprachigen Klassen unterstützen). Die Narzissen könnten die Kinder vorort dann mit ihrem Mobiltelefon fotografieren und später ins Wiki übertragen. Bei einer "Schilderabräumaktion" könnten die Kinder den Fortschritt in der Natur beobachten und diese Erfahrungen mitnehmen, dokumentieren und mal nachhören, ob es im Nachbarland mit Natur dann auch schon so weit ist.
An der Stelle meines Gedankenkinos hatte ich mein Ziel, das Auto, erreicht. Doch der Film war offensichtlich nicht ganz zu Ende, denn es gibt ja diesen Blogbeitrag. Könnte Schule auch so aussehen?
Und der Fremdenverkehrsbetrieb hätte auch noch etwas davon: tolles Marketing, zufriedene einsame Wandernde, die vielleicht wiederkämen und der umgebenden Gastronomie Umsätze bescherte.
Tja, was einem bei einem Spaziergang zu Narzissen so alles widerfahren kann.

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