Freitag, 4. Mai 2012

Lehrer und Schüler auf Facebook - geht das?

"Peinliche Bilder können zum Problem werden", so lautet die Überschrift eines Artikels im Kölner Stadtanzeiger, Rubrik Junge Zeiten, mit dem Untertitel: "Soziale Netzwerke - können Lehrer und Schüler sich im Internet anfreunden, ohne dass Grenzen überschritten werden?"

Es versteht sich, dass dieser Artikel meine Aufmerksamkeit erregte, und nach vollständigen Durchlesen dann auch ein wenig meinen Unmut. Es war dann doch eher weniger von sozialen Netzwerken (man beachte den Plural) als dann nur von dem einen großen die Rede, nämlich Facebook, und hier dann primär von:

  • privaten Urlaubsbildern, die gegenseitig betrachtet werden könnten,
  • Kontrolle der Lehrenden über die Schüler und Schülerinnen,
  • Kontrolle der Schüler und Schülerinnen über die Lehrenden.

Zwei Stimmen von Lehrern, die, so wird ausdrücklich betont, anonym bleiben wollen, stehen sich gegenüber: befreundet sein ist Grenzüberschreitung, da die Autorität des Lehrers infrage gestellt sei, befreundet sein ist keine Grenzüberschreitung, da Lehrende auch Menschen seien und getrost Unterrichtsmaterial oder Stundenausfälle über Facebook mitteilen könnten.

Ich fragte mich nach dem Lesen des Artikels, was denn nun meinen Unmut erregte, und kam u. a. zu folgenden Punkten:

  • Ich vermisse die Stimme der Schüler und Schülerinnen, was denken sie über eine Vernetzung?
  • Die Reduktion auf peinliche Bilder und Kontrollfunktionen spiegelt zwar einen wichtigen und auf jeden Fall zu beachtenden Aspekt wieder, vernachlässigt aber die vielfältigen Möglichkeiten eines Nutzens sozialer Netzwerke auch für Lehrer-Schüler-Beziehungen.
  • Die unkritische Übernahme des Facebook-Begriffs "Freund": Facebook-Freund ist nicht unbedingt gleich Freund, privater Kontakt, vielleicht eher nur loser Kontakt, Interessenkontakt und vieles mehr.
  • Wo sollen Schüler und Schülerinnen Grenzen erkennen, wenn Lehrende Unterrichtsausfall auf Facebook posten, private Kontakte (da ist wieder der Freund-Begriff) aber ablehnen, da sie um ihre Privatsphäre fürchten?

Dass es mit Facebook und den Schülern und Lehrern auch anders geht, zeigte vor einiger Zeit ein Beitrag von ZDFinfo, den ich hier leider nicht einbetten, sondern nur verlinken kann, zum Anschauen aber sehr empfehle: Lehrerin auf Facebook.

Am Rande sei bemerkt, dass es mich immer ein wenig gruselt, wenn auf Unternehmen bezogen (Enterprise 2.0) das Postulat erhoben wird, Facebook ins Unternehmen zu bringen. Denn es sind genau diese "Allgemeinheiten", die vielfach mit dem Netzwerk Facebook verbunden werden, und damit die Sicht auf die Chancen und Möglichkeiten, auf das unglaubliche Phänomen der sozialen Vernetzung und damit auf wichtige und, wie ich denke, richtige Chancen der Vernetzung, Zusammenarbeit (gilt ja auch für Schule) und des Austauschs von Information und Wissen verschleiern. Aber das ist jetzt ein anderes Thema, oder?


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