Sonntag, 14. Oktober 2012

Learning is more than just...was ein Schilderwald und der Begriff Learning gemeinsam haben.

Sie kennen das, oder: an nicht wenigen Straßen sehen wir uns einer üppigen Ausstattung mit Verhaltenshinweisen, allgemein bekannt unter dem Begriff Straßenschild, gegenüber. Das nebenstehende linke Bild ist in einem beschaulichen und völlig unspektakulärem Örtchen in der Eifel fotografiert, das sich vor allem durch absolute Verschlafenheit auszeichnet und eigentlich gar keines Schildes bedürfte - ist halt nichts los dort, und die Einheimischen machen eh, was sie wollen.
Was nun hat dies mit "Learning" zu tun? Ganz einfach: kennen Sie auch die schon fast unzähligen Wortkombinationen mit dem Begriff "Learning"? Hier eine sicher nicht vollständige Auswahl aus meinen RSS-Abos der letzten Wochen:


E-Learning, JIT E-Learing (= Just in Time E-Learning), Informelles E-Learning, Self-study E-Learning, Corporate E-Learning
mlearning, mobile learning, corporate learning, distance learning, blended learning, centered learning, workplace learning, connected learning, networked learning, learning by doing, learning by viewing, personalized learning, augmented reality learning, online learning, professional learning, life long learning, customized learning, rapid elearning, active learning, action learning, machine learning, smart learning, learning 3.0, game based learning, collaborative learning, microlearning, formal learning, informal learning, learning on demand, telelearning, virtual learning, tablet learning, self-learning, student-centered learning, adventure-based learning


Und irgendwie mit Learning haben ja nun auch noch die MOOCs zu tun, die sich ganz im Trend nun auch zu weiteren Kombinationen aufschwingen wie cMOOC oder xMOOC, und auch die deutschsprachigen Ergänzungen des Begriffes Lernen mühen sich fleissig um mehr Differenzierung wie selbstbestimmt, selbstgesteuert oder selbstorganisiertes Lernen.

Wie geht es Ihnen mit all diesen Begriffen? Was assoziieren wir, wenn wir E-Learning oder online learning etc. hören? Ändert sich mein Lernen, wenn ich mit SmartPhone unterwegs bin (mobile learning?), wenn ich durch's Tablet ersetze (tablet learning?), bleibt's beim mobile oder tablet learning, wenn ich privat unterwegs bin, oder ändert es sich zum corporate mobile oder tablet learning, bin ich dienstlich mit SmartPhone oder Tablet unterwegs? Workplace scheidet in diesem Beispiel wahrscheinlich eher aus, da ich mit SmartPhone / Tablet unterwegs = mobil bin, aber bin ich Außendienstlerin und mit einem Kollegen unterwegs...

Vom Philosophen Karl Popper erinnere ich eine Aussage, man möge vor Start eines Gesprächs erst einmal über die zu verwendenden Begriffe Einvernehmen herstellen. Wohl wahr, Herr Popper, auch heute noch. Denn kürzlich lockte mich der Präsentationstitel, der die Begriffe "situativ", "m-learning" in einer betrieblichen Weiterbildung enthielt, an einen Thementisch. Vor meinem geistigen Auge entstand das Bild: situativ = ich benötige Unterstützung / Lernen in einer konkreten Situation im Zusammenhang mit meiner Arbeit, m-learning = mobiles Endgerät, egal ob SmartPhone oder Tablet. Fazit: macht neugierig, oder?
Unter'm Strich ging es aber dann doch nur darum, bestehende Inhalte (pdf, PowerPoint) mobilfähig (gelobt sei HTML5) zu produzieren, um sie in einer 1 : 1 Übersetzung auf einem mobilen Endgerät, selbstverständlich in korrekter Ordnerstrukturnachbildung, abrufbar zu machen. Da stellte sich mir dann aber doch die Frage (vom Content-Design mal ganz abgesehen), wozu benötige ich eine mobile Version, wenn ich, wie es als Beispiel genannt wurde, unterwegs eine Pause füllen kann, wenn's doch dann eigentlich gar nicht situativ sein kann, denn der Arbeitsplatzrechner, an dem die Situation entstehen könnte, befindet halt am Arbeitsplatz. Und wenn's situativ am Arbeitsplatz wäre, säße ich eh am Rechner und benötige keine mobile Version, oder?

M- learning ungleich m-learning, denn mein Verständnis von m-learning geht über mobilfähig gemachte Webbased Trainings oder PowerPoints hinaus, so dass eben hier besagter Herr Popper einwenden würde, hab ich's doch gesagt!

Einvernehmen im Begriffsverständnis nun ruft nahezu nach Definitionen, wollen die Bezeichnungen nicht verkaufsfördernde Label bleiben. Definitionen zumindest, die es Verantwortlichen z. B. in betrieblichen Weiterbildungen ermöglichen,

  • einfach mal nachzuschlagen, um zu erfahren, dass Lernen heute mehr bedeuten könnte als Klassenraumtraining,
  • konkrete Ziele für ihre Bedarfe zu benennen (m-learning ist für mich ... und das möchte ich haben),
  • die für Lernende passenden Lernformate zu ermitteln und dann auch anzubieten (mobile nur dann, wenn's auch Sinn macht),
  • Lernmethoden wie tablet learning von Lernverhalten wie social learning abzugrenzen,
  • mit den sich immer mehr vernetzenden Lernenden (und die erfahren schon recht schnell, was zum Beispiel unter tablet learning verstanden wird) Schritt halten zu können und letztendlich
  • um auf die mit der Veränderung der Arbeitsplätze einhergehenden Veränderungen des Lernens reagieren und im optimalen Fall gar agieren zu können usw.

Damit wir in Anbetracht dieser Begriffsvielfalt nicht zum Schluss kommen: verhalten wir uns doch wie die Bewohner des Eifeldorfes, wir machen das, was wir wollen und kennen -> wir machen einfach weiter Training, ist es vielleicht sinnvoll, einmal kurz vor Entstehen einer neuen Wortkombination die bestehenden zu begreifen.
Ach ja, erwähnte ich schon, dass ich die Begriffsvielfalt hilfreich finde? Mir hilft sie zum Beispiel, genauer erfassen zu können, was ich zum Erreichen meines Zieles benötige. Und vielleicht beginnen wir gemeinsam, uns der ein oder anderen Definition zu nähern und - ganz social - ein kleines Nachschlagewerk rund um den Begriff "Learning" zu erstellen. In diesem GoogleDrive (ehemals GoogleDocs) Dokument fange ich denn mal an - macht jemand mit?


Kommentare:

  1. Begriffe werden im E-Learning-Kontext meiner Wahrnehmung nach viel u selten zur Präzision, sondern Aufblähung eines Sachverhalts verwendet. Ich möchte mich dabei nicht ausnehmen, denn wenn man das einmal kapiert hat, neigt man dazu, diese Praktiken mitzuspielen, wo es einen Vorteil verspricht. Sobald man aber versucht, es auseinanderzunehmen, wird das Eis oft dünn.

    Ich finde es nicht wieder, aber ich hatte mal eben so eine (schnelle) Idee ge-irgenwast (=veröffentlicht), denn ich fand, dass gerade im Bereich E-Learning so viel ver-Buzzword-et wird, dass eine qualitätsgesicherte Sammlung an Begriffsdefinitionen hilfreich wäre. Ich stelle mir dabei so etwas wie Beat Döbelis Biblionetz vor (vgl. http://beat.doebe.li/bibliothek/w01275.html), nur eben offen bzw. für akkreditierte Autoren (der Qualitätssicherheit wegen). Ich mag aber auch kein neues Projekt aufmachen (ich habe derzeit schon zu viele offene Säcke rumstehen), würde es aber unterstützen (so einen kleinen offenen Beutel habe ich noch nie gescheut... aber vielleicht ist auch genau das das Problem). Deine Tabelle ist ja für ein erstesBrainstorming ganz gut, aber ich vermute, dass sie bei entsprechender Befüllung schnell unübersichtlich wird und dann weiterhin die Gefahr besteht, dass wirtschaftliche Sichtweisen schnell einflißen. Das ganze muss wahrscheinlich auf größeren organisatorischen Füßen stehen... L3T's Lex ;)?

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  2. Also sagen wir mal so, ihr könnt da gerne ein Kapitel daraus machen, aber ich weiss nicht ob es Euch in der Verständigung hilft. "Ich meine E-Learning nach L3T" "Aha". ;-)

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