Freitag, 8. Februar 2013

#mmc13 MOOC, #E20 und Geschäftsmodelle - eine erste Annäherung

So, wie MOOCs über die Bildungslandschaft als Sturm fegen, rollt die Enterprise 2.0- und Social Business-Welle (#E20, #socbiz) über die Unternehmen, plätschert vermeintlich hier und da ein wenig, da viele Unternehmen mit Design und Strategie vollauf beschäftigt sind.

Der Begriff des Kulturwandels, der dem E20, dem Social Enterprise oder wie immer wir es nennen wollen als sichtbares Revolutionsbanner vorangetragen wird, ist eng verknüpft mit dem Buchstaben O = Offenheit für viele Unternehmensbelange, die als offen zu denken in der Vergangenheit (allerdings auch in der Gegenwart) gewachsene Unternehmenstrukturen und -hierarchien (= vielfach Machtverhältnisse) nicht erlaubten.

Veränderung in Unternehmen
Dank der Technologien bündeln sich in Unternehmen zumindest für Wissensarbeiter zunehmend arbeitsplatzbezogene Tätigkeiten auf einer Unternehmensplattform und nicht mehr auf abteilungsbezogenen Insellösungen, fliessen in diese Unternehmensplattform nun auch die sozialen Elemente des Wissens- und Erfahrungsaustauschs (Sammeln und Bereitstellen des Wissens im Unternehmen), der Zusammenarbeit in anderen Formen von "Collaboration" (verbunden eben mit Offenheit) und nicht zuletzt der Aspekt des Social Networking ein. Der Alltag im (Groß-)Unternehmen ist zunehmend geprägt von Projekttätigkeiten, die sich weg von der geschlossenen und vielfach fast schon geheimen Projekttätigkeit hinentwickelt zu Projekten, die in einer offenen Community auf eben der Unternehmensplattform durchgeführt werden:
"Your collaboration platform is the hub of how your information workers connect, share, and get work done."
Die Zeiten, zu denen wir den PC ausschließlich zur Bedienung der ERP-Systeme in definierten Prozessen, zum Erstellen von PowerPoints und Exceltabellen nutzten, ist bereits heute vorbei. Das, was derzeit noch unter dem Arbeitsplatz der Zukunft betrachtet wird, ist zu einem großen Teil in kleinen Elementen schon heute gelebte oder initiierte Realität. Der PSFK Future Work Report 2013 (Anm.: sehr lesenswert) benennt die 4 Hautgebiete des Wandels: 


Unter "Ideal Workforce" finden wir unter anderem "Learning by Doing", was sehr treffend auf Slide 6 beschrieben wird:
"A collaborative, startup mentality is being adopted by workers and organizations that allows for new ways to learn. Multidisziplinary teams made up of people with diverse experiences are allowing participants to teach each other and learn at the same time."
Das hier beschriebene Learning by Doing gleitet nahtlos in die Begrifflichkeiten des Workplace Learning und des Social Networking, aber auch der "neuen" Formen von Collaboration und Information- and Knowledge Sharing.

Talentmanagement / -recruiting (oder auch Skill Marketplaces, wie es auf Folie 9 obigen Reports so schön benannt wird) und Open Innovation sind zwei Beispiele, die sowohl mit Innen(mit)wirkung als auch Außen(mit)wirkung die Veränderungen in den Unternehmen sehr gut verdeutlichen. Während wir in diesen beiden Themen bereits über viele sog. Good Practices bis hin zu Success Stories verfügen, finden sich im "Daily Business" zum Teil noch nicht so arg viele Antworten auf die Frage der Mitarbeitenden: "What's in for me".

Für die Einzelnen stellen sich die Ideen von E 2.0 vielfach als nett anzuhörende Visionen der Evangelisten dar, die für die einzelne Person aber aus der gefühlten Arbeitsbelastung heraus eher ein "Das kommt noch oben drauf" denn als eine Arbeitserleichterung oder Effizienz-, wenn nicht gar Motivationssteigerung, Karrieremöglichkeit und vieles mehr verstanden werden.

Benötigen wir eine MOOCisierung?

In untenstehender Abbildung habe ich in sehr verschlankter Version versucht, die Felder zu skizzieren, in denen sich die Mitarbeitenden eines Unternehmens spätestens morgen bewegen (die erläuternden Beispiele sind eine Auswahl - ausgenommen Training / E-Learning).


Es sind aber auch die Felder - Training und E-Learning ausgenommen, in denen in Unternehmen mit unterschiedlichen Strategien viel bewegt wird: E 2.0 Projekte, Einführung collaborativer Arbeitsplattformen, dies im besten Fall als strategisches und nicht als IT-Projekt, Öffnen der Unternehmenskultur durch Fördern des Social Networking.
Das Begriffspaar "Personal" (= gestalte Deinen Arbeitsplatz individuell mit der technischen Möglichkeiten, die wir Dir anbieten) und "Social" (= vernetze Dich und arbeite mit anderen auf offener Plattform zusammen mit den Mitteln Deiner Wahl auf Basis der Plattformangebote).
Jochen Robes hat in seinem äußerst lesenswerten Beitrag "Offenes und selbstgesteuertes Lernen im Netz" George Siemens' Prinzipien des Konnektivismus dankenswerterweise zusammengefasst:
"'Learning and knowledge rests in diversity of opinions.
- Learning is a process of connecting specialized nodes or information sources.
- Learning may reside in non-human appliances.
- Capacity to know more is more critical than what is currently known.
- Nurturing and maintaining connections is needed to facilitate continual learning.
- Ability to see connections between fields, ideas, and concepts is a core skill.
- Currency (accurate, up-to-date knowledge) is the intent of all connectivist learning activities.
- Decision-making is itself a learning process. Choosing what to learn and the meaning of incoming information is seen through the lens of a shifting reality. While there is a right answer now, it may be wrong tomorrow due to alterations in the information climate affecting the decision.”'(Siemens 2004)"
Es sind ebendiese Prinzipien, die neben weiteren wie businessrelevanten Motiven die theoretische Grundlage für die Veränderungen hin zu einem Social Enterprise begründen, denn dem Begriff "Learning" kann und sollte im E 2.0 Gedankengut stets ein "and working" beigefügt werden. Und dies ist nicht nur eine der Botschaften der E 2.0 Evangelisten, sondern je nach Reifegrad eines Unternehmens bereits in Praxis (siehe auch Back, Gronau, Tochtermann, Web 2.0 und Social Media in der Unternehmenspraxis)  umgesetzt oder in ersten Schritten auf den Weg gebracht.

Es lässt sich demnach feststellen: in Unternehmen sind mächtige Prozesse und Veränderungen am Werk, von Open Innovation angefangen bis hin zum Wandel in ein Social Enterprise - und damit hin zu den gelebten obigen Prinzipien. Es werden Projekte auf Basis "new way of collaboration based on an open culture and collaboration" durchgeführt. Es werden Informationen bereitgestellt, bewertet, gerankt, genutzt zum Lernen und Arbeiten. Es werden Experten nicht mehr auf Basis einer hierarchischen Anordnung bestimmt, sondern im Social Network identifiziert und vieles mehr.

Ich frage mich daher mit Blickrichtung auf die Felder Workplace und Social Networking in obiger Grafik:
  • Hilft es uns, das Format MOOC auf Projekte oder Innovationen hin zu modifizieren, wenn mit E 2.0 / Social Business / Social Enterprise unter Umständen bereits  die Grundideen des MOOC aufgenommen sind? Wenn wir E 2.0 und Social Business als Unternehmeskultur und -grundlage verankern, dann werden sich auch die Geschäftsprozesse des Unternehmens daran orientieren; Projekte werden auf dieser Grundhaltung zum Beispiel in offenen Projektcommunities abgewickelt werden.
  • Was könnte uns ein (angepasstes) MOOC-Format hier an Mehrwert bieten? 

Was ist mit Training und E-Learning?
Also der klassischen Weiterbildung im Unternehmen? Genügt es, aus einem E-Learning einen Pseudo-xMOOC zu machen? Was bringt dies den Mitarbeitenden, die ihre Lernbedarfe zunehmend im arbeitsplatzbezogenen Lernen befriedigen werden? Und dies auf oben beschriebenen Veränderungen basierend, also in der lernenden Organisation, man könnte auch sagen, die lernende Organisation ist per se ist ein cMOOC, wobei wir dann das C = Course in lebenslanges Lernen abwandeln. 
Welche Geschäftsmodelle könnten sich für die klassiche Weiterbildung mit dem Format MOOC eröffnen?
Dieser Frage werde ich in einem nächsten Blogbeitrag nachgehen - als Ausblick sei an dieser Stelle die Präsentation aus dem Hause trommsdorff & drüner schon einmal ein wenig Gedankenfutter.

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