Sonntag, 21. September 2014

Warum man nicht jede Diät mitmachen sollte. #ioms14

Nein, sie kam nicht per E-Mail zu mir, die Nachricht des Handelsblatts: "BASF verordnet sich 'E-Mail-Diät'". Sie wurde über mein Netzwerk hereingespült (Innovation Evangelists und SocBiz auf Facebook), und ja, es handelt sich um eine aktuelle Information, von gestern, 20.09.2014, um genau zu sein. Ich gestehe, so recht glauben mochte ich in meinem IOM Summit-Vorfreudedenken erst nicht, was ich dort las, wähnte ich doch diese Zero-Mail-Aktionen als erledigt.

Meine erste Einschätzung erwies sich bei genauerem Lesen als Trugschluß: nein, es geht nicht um die Veränderung der Arbeitswelt (ich docke mal die Begriffe Digital Workplace, Social Collaboration und CoCreation hier an), sondern es geht um eine Antwort auf die Antistress-Verordnung der Bundesregierung. Und diesem Stress begegnet man nun mit einer Diät. Genial, diese Diät Idee, könnte man meinen, wenn's denn nicht die Uhr zurückdrehen wäre.

"Greifen wir doch lieber mal zum Telefon!" Wer hat dies nicht schon oft gehört, ich hörte es meist von den eifrigsten E-Mail-Verfassern oder in Diskussionen über die vermeintliche "Virtualität": ich habe es lieber persönlich und greife zum Telefon. Nur: am Telefon, besser SmartPhone werden halt meistens E-Mails gelesen und beantwortet, die ursprüngliche Funktion als Telefon ist ja ohnehin schon arg in den Hintergrund getreten. Ist aber ohnehin schwierig, das mit dem Telefon, sind die Kollegen doch immer weniger am Arbeitsplatz anzutreffen, hetzen von Projekt zu Projekt, von Meeting zu Meeting (hier ist es dann persönlich, und die Ergebnisse kann man ja später per Mail versenden) - kurz: jemanden am Telefon tatsächlich zu erreichen, ist Glücksache, oder haben Sie eine andere Erfahrung? Und wenn's dann mal funktioniert, wird nicht selten in die Sprechmuschel gehaucht: "Ich bin in einem Meeting, auf der Autobahn, am Flughafenabfertigungsschalter, geht grad nicht, schreiben Sie mir Ihr Anliegen doch kurz per Mail." Ja, ja, so ist das mit dem Telefon, mit dem mobilen allemal.

Und wenn's dann doch eine E-Mail sein muss, hilft eine E-Mail-Etikette - welch Segen für die Mitarbeitenden und nah dran an klassischem Enabling: Anregung zu Wortwahl und Inhalt von Mails. Können wir da noch von Diät sprechen, wenn nun also das beabsichtigte, bisher eher spontan initiierte E-Mail-Vorhaben nun mit den besagten Anregungen abgeglichen werden soll? Mal ehrlich, so von einmal Lesen der Anregungen bekommt man das ja nicht für jede E-Mail hin, das muss schon ein wenig trainiert werden. Gut zu wissen: wem's nicht gelingt, der greift dann halt zum Telefon. Oder antwortet nicht, zumindest nicht an alle.

Schließlich wisse man durch eben die Betriebsnähe, wo der Schuh drücke, heißt es im Artikel. Wie nah ist das nun dran an den Betrieben, frage ich mich?

Ja, es ist nah dran, denn "die Betriebe", besser die Mitarbeitenden des Unternehmens ächzen unter der E-Mail-Last. Das ist unbestritten, seit Jahren schon. Aber helfen hier wirklich Etikette und "Nicht allen antworten, sondern einen anrufen"?

Eine Rückkehr zur guten bewährten Werkpost wäre ein wirklich mutiger Antistress-Faktor gewesen. Da hatte man schließlich im Schnitt mindestens 2 Tage Ruhe, bevor eine Antwort kam. Nicht so wie heute, wo ich via Messenger kontaktiert werde und per Mail die Nachfrage erhalte, ob ich die Messenger-Nachricht auch erhalten habe. Nein, das war wirklich Ruhe, stressfrei.

Wem das zu mutig ist, dem sei der IOM Summit empfohlen - da gibt es durchaus Alternativen, stressfreier und effizienter zu arbeiten. Diätetisch sozusagen dank moderner Technologien.

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