Sonntag, 25. Oktober 2015

#DED15 in Köln: Willkommen in Parallelwelten

Im Joseph-DuMont-Berufskolleg in Köln fand er am 24.10. statt, der Digital Education Day 2015, und eigentlich hätte ich es in Anbetracht des Wimpels (IT für Kölner Schulen - moderne Lösungen für eine zukunftsorientierte Bildungslandschaft), der munter in der Herbstsonne flatterte, schon ahnen können: IT-Sichtweisen prallen auf wirklich innovative Gedanken.

Schön war's, sei vorab bemerkt, hervorragend organisiert, in angenehmer Location mit prall gefüllten Räumen und mehr als üppigem Session-Angebot. Schön auch, Weggefährten im Geiste wiederzutreffen und neue zu entdecken. Es bewegt sich was in der Bildungslandschaft auch an Schulen, schauen wir auf Einzelpersonen und ihre Initiativen, die, wie auch heute noch dem Twitterstream (siehe unten) zu entnehmen ist, wohl einigen viele Anregungen mit auf den Weg gaben.
Mir auch, aber auch eine große Nachdenklichkeit, vielleicht eher sogar Ernüchterung in Anbetracht meiner ersten Session, die ich wahrnahm und in der es um "Medienkompetenz in der Lehrerausbildung NRW" ging. Was Offizielles also, vom Schulministerium.

Dass die Mühlen der Ministerien ein ganz klein wenig langsamer mahlen, ist natürlich auch mir nichts Neues. Ich dachte allerdings, sie mahlen und befinden sich nicht im Fast-Stillstand-und-Hinterherhinken-Zustand.

Denn offensichtlich, so zumindest mein Eindruck nach 40-minütigem Vortrag aus dem Ministerium, geht es primär bei Maßnahmen des Projektplanes um die IT-Landschaft, derzeit aber noch nicht unbedingt um eine zukunftsorientierte Bildungslandschaft. Ja, es ist schon lobenswert und auch wichtig, wenn Gelder für WLAN an Schulen bereitgestellt werden, und das persönliche Erleben, eine Schule zu betreten und sofort WLAN-Zugang zu haben, ist selbstverständlich ergreifend und beflügelnd für weitere Anstrengungen. Lese und höre ich jedoch, dass in puncto Lehrer/-innen-Fortbildung gemäß Projektplan Ziele von 2016 und 2017 avisiert werden, Maßnahmen anzugehen (angehen wohlgemerkt, von umsetzen war nicht die Rede), dann frage mich allerdings: in welcher Welt leben die Verantwortlichen, dass sie

  1. nicht einmal über die ministeriellen Mauern blinzeln Richtung Unternehmen, um von denen zu lernen, dass es mit der IT-Infrastruktur bei weitem nicht getan ist,
  2. nicht einmal das Ohr an der Wirtschaft  und damit den künftigen Arbeitsplätzen ihrer Schüler und Schülerinnen haben, um die dortigen Veränderungen wahrzunehmen und den dringenden Handlungsbedarf für Schulen kennen zu lernen und dadurch
  3. zügig = morgen Lehrerinnen und Lehrer unterstützen, selbst kompetent zu werden, zumindest zeitgemäßen Unterricht realisieren zu können. Und ich meine kompetent und nicht ein "Ich-weiß-um"
  4. und sich damit auch ein Stück weit an der Realität der Kinder und Jugendlichen zu bewegen, für deren Bildung zu letztendlich die Verantwortung zu haben reklamieren.

Ich glaube, ein wenig intra-ministerielle Vernetzung wäre nicht schlecht, denn immerhin sind andere Ministerien zum Beispiel mit dem Thema Arbeiten 4.0 gedanklich anders unterwegs. Bei dem Tempo, das das Schulministerium NRW in Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte an den Tag zu legen scheint, fürchte ich, dauert es Jahrzehnte, bis Veränderungen in den Schulen wirklich ankommen. Das Stichwort Fachkräftemangel wird dann neu zu definieren sein, denn eins ist sicher: in den Genuß eines Vorbereitens auch für die Arbeitswelt werden nur die Schülerinnen und Schülern kommen, die Lehrkräften aus dem einschlägigen Barcamp-Umfeld begegnen. Das hat mal wieder der #DED15 bewiesen: die Power sitzt bei den Einzelnen, und wir auf den Barcamps können diesen Engagierten nur zurufen: gebt nicht auf, macht weiter.
Ich überlege derweil, ob ich Andrea Nahles, die morgen abend hier in der Region zu "Die Zukunft der Arbeitswelt 4.0" sprechen und diskutieren wird, ob ich ihr vielleicht vorschlagen kann, dass sie ihren ministeriellen regionalen Kolleginnen und Kollegen nicht besser zuerst einmal eine Mitfahrgelegenheit anbieten sollte - die der gedanklichen Aktualität.

Kommentare:

  1. Gefallen hat die Veranstaltung in Köln auch mir. Sehr erstaunt war ich überhaupt, dass man von offizieller Seite diese Veranstaltung wahrgenommen hat und die Teilnehmer dann über Sessions ansprach. Bisher, so mein Eindruck, wurde die "freie EDU Szene" von dieser Seite her weitestgehend ignoriert.
    Ich habe mal in mein Blog geschaut, wo ich 2013 das letzte Mal etwas geschrieben habe, und muss sagen, weltbewegend viel hat sich leider noch nicht verändert in der offiziellen Bildungslandschaft. Hier in NRW bin ich selbst als Akteur in der Lehrerfortbildung tätig, Schwerpunkt Medien. Es ist ein sehr zähes Geschäft. Immerhin scheint aber in den Schulen durchaus das Interesse zu wachsen, mehr zu tun. Tablet Klassen hat man im Blick, doch aller Anfang ist schwer. Wie auch in den Sessions am Barcamp deutlich wurde, sucht jeder nach Lösungen. Viele müssen das Rad wohl immer wieder neu erfinden an ihren Schulen. Das sollte nicht sein.
    Von offizieller Seite gibt es durchaus Unterstützung. Die Medienberatung NRW hat einige Experten, welche die Schulen beraten können. Man denkt da schon recht weit. Aber die Politik ...
    In der Lehrerfortbildung erarbeiten sogenannte KQ Gruppen ihre Fortbildungsmodule. Viele dieser Gruppen haben keine Experten für Medien, vor allem bei den nicht mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Also findet das Thema auch keinen Eingang in die Module der Fächer. Das ist schade.
    Selbst das Thema OER, welches nach der Anfrage der Piraten im Landtag NRW, mehr Gewicht bekam, ist wieder in seiner Bedeutung gesunken. Bei der Erarbeitung von Materialien für die Lehrerfortbildung sollte auf Urheberrecht geachtet werden, damit die Materialien ohne Probleme über das Internet an Lehrer weitergegeben werden können. Super, ich war begeistert. Das war vor zwei Jahren. Ich hätte die KQ Gruppen gerne geschult, habe mich mehrfach angeboten. Zwei konnte ich über Beziehungen schulen. Ich habe mehrfach nachgefragt, ob ich nicht andere Gruppen schulen sollte. Nein, erst mal nicht. Das ist die Politik.
    Und dann steht jetzt das Thema Flüchtlinge auf dem Programm. Das drängt vieles in den Hintergrund.
    Letztlich sind das alles nur Facetten eines größeren Problems, welches wir speziell in Deutschland mit dem Thema "neue Medien" in der Schule haben.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar und, ich nenne es mal so, treffenden Lagebericht. Ich empfinde, dass wir nicht nur in der Schule das große Problem haben, sondern dass wir in Deutschland generell zu zögerlich agieren, uns nach allen Seiten absichern wollen und dadurch hier und da in lähmende Zustände geraten. Ich denke aber auch, dass es der Verantwortlichen ist, die Chancen von Kindern und Jugendlichen durch solche Zögerlichkeit nicht zu blockieren. Innovationen, auch gesicherte, werden anders in Gang gebracht. Um so wertvoller sind all die Einzelinitiativen, die sich dann in Netzwerken, auf Barcamps, in EduChats uvm. nach und nach bündeln - ich hoffe auch hier auf bottom up.

      Löschen