Freitag, 16. Oktober 2015

Können wir eigentlich formal "nicht sozial" lernen? #cl20

Informelles Lernen = soziales Lernen, eine Aussage, die formales Lernen = nicht soziales Lernen als Schlussfolgerung nahelegen könnte.
Dass dies nicht zutrifft, wissen wir alle, denn auch in formalen Lernsettings gehört es ja zu den "didaktisch-methodischen Kniffen", an richtiger Stelle Gruppenarbeit (sozial), Partnerarbeit (auch sozial) mit Einzelarbeit (nicht sozial?) zu kombinieren. Erhöht die Motivation, wissen wir auch.

Meinen wir vielleicht gar nicht so sehr "soziales Lernen", sondern eher "Social Learning"? Denn mit diesem Begriff marschiert die Social Software in unseren Methodenkoffer, die da u. a. heißen Blog, Wiki, Apps wie Evernote, Slack, Trello, OneNote, kollaboratives Schreiben gar über Tools wie Etherpad? Doch ein Denken an und ein Einsatz von beispielhaft genannten Tools und Apps bedingt nicht zwangsläufig eine soziale / social Nutzung, die erst dann gegeben ist, wenn vernetztes und kollaboratives Arbeiten und Lernen gelebt werden. Ohne Wenn und Aber vom Start eines (Lern-)Projektes, und eben nicht als geplanter methodischer Schritt im vom Lehrenden vorgesehenen Stunden- und damit Lernziel-Erreichungsverlauf. Sicher unbestritten ist, dass es weiterhin Lernszenarien geben wird, die sich dieser sozialen Komponente (Gruppen-/Partnerarbeit, Rollenspiel) als Instrument bedienen. Spannend ist zu schauen, wie sich diese "tradierten" Methoden einbetten in ein Verständnis von Lernen und Arbeiten, das den "social" Gedanken der allen Aktivitäten zugrunde liegenden Vernetzung voraussetzt und Lernangebote nicht mehr an der Frage ausrichtet, wie wir informelles Lernen an formales "andocken" können, sondern wie wir formale Anforderungen in informelles und social Lernen einbinden können. Ein paralleler "Spannungsbogen" wird die Erweiterung des Selbstverständnisses von Lehrenden und von Corporate Learning sein.

Lernangebote werden sich zunehmend in den Arbeitsalltag integrieren (müssen) und auf Mitarbeitende treffen, die nicht mehr unbedingt gewillt sein werden, ihre Erfahrungen mit Vernetzung dann zu vergessen, wenn es um Weiterbildung geht. Anja C. Wagner brachte den Aspekt der Vernetzung mit seinen Auswirkungen oder auch denen, die noch nicht da sind, trefflich auf den Punkt. Gedanken, die aus meiner Wahrnehmung künftig Lernen maßgeblich beeinflussen werden und die Frage nach informell / sozial anders betrachten lassen.



Dass es bereits heute kreative Ideen zur Veränderung der "Lernlandschaft" gibt, wird eindrucksvoll in der aktuellen Woche des #cl20 bewiesen. 

Bildnachweis: http://pix.echtlustig.com/1301/nicht-vom-sitznachbarn-abschreiben.jpg

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