Montag, 12. Oktober 2015

Mythen und Mysterien des Lernens

So richtig Fahrt haben sie aufgenommen, die Diskussionen um Lernen und Lehren mit zugehörigen Formaten wie informell, non-formal, formal, unter anderem sehr gut gespiegelt durch die Themenwochen des #cl20, z. B.: diese Woche startet Festo mit dem Thema "Soziales Lernen nach formalem Training", übernächste Woche führt uns die Sick AG durch "Informelles Lernen im Vertrieb".

  1. Besonders zwei Aspekte wecken meine Aufmerksamkeit: die Fahrt (s.o.) ist nicht nur aufgenommen, sondern zu einem Wettstreit teils individueller Glaubenssätze, meist jedoch fundierter Beiträge geworden, bei denen sich Befürwortungen und Bedenken ein buntes Stimmungsbild zeichnen,
  2. informelles Lernen wird vielfach mit sozialem Lernen gleichgesetzt, konkret zum Beispiel die Fragestellung, wie informelles = soziales Lernen nach formalem Lernen initiiert werden könne.
Zum ersten Punkt kam mir jüngst diese recht interessante Infografik unter die Maus:

Decoding the Myths and Mysteries of Informal Learning Infographic
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Neben der hilfreichen Gegenüberstellung der drei Modelle (wo gibt's das sonst so schön in einer Grafik) und natürlich den 5 Ways to boost informal learning sehe ich zwei wichtige Aussagen:
  • ...a learning event isn't the whole story about learning...
  • they are intended to encourage people to look at learning in a new way
"Ein Event ist nicht die ganze Story" ist ein Satz, der in seiner vollständigen Konsequenz das bisherige formale Lernen, um das sich HR in erster Linie bemüht(e), an einen Platz neben anderen Lernformen rückt und damit alle Lernorte als Auftrag und damit Dienstleistung auch ins Pflichtenheft von HR schreibt. Dass damit eigene Weiterbildungsaktivitäten (z. B. kleines Screenrecording für Kollegen/-innen) der Mitarbeitenden gleichsam legitimiert werden, versteht sich von selbst. Die ganze Story ist aus meiner Erfahrung heute nicht mehr die Frage, ob informal, non-formal oder formal und das Event in einer dieser Kategorien zu verorten, die ganze Story ist Leben und Arbeiten. Die Storyteller, um bei diesem Bild zu bleiben, also die klassischen Weiterbildner/-innen, zu denen auch ich mich jahrzehntelang zählen durfte, wir sollten die Handlung der "Lern-Geschichten" nicht mehr nur in Lehrräumen (-virtueller- Klassenraum, Webbased Training, Video etc.) mit festgelegten Rollen inszenieren.
Ja, es gilt, auf Lernen in neuer Art und Weise, nämlich nicht mehr der strikten Zuordnung zu einer der genannten Formate, zu schauen und nehmen wir encourage und people in der gesamten Bandbreite ihrer Bedeutungen, dann heißt dies auch, sich davon zu verabschieden, dass nur die sog. Lernenden, die so viel zitierte Zielgruppe, ermuntert werden muss. Ermuntert, aufgefordert, angehalten, unterstützt werden muss in erster Linie HR und alle Trainer/-innen, denn Lernen spielt sich, wenn's die Infografik richtig beschreibt, ja jetzt bereits primär außerhalb der "alten Lern-Geschichten" ab. Es scheint, als könnte der ein oder andere Plot im #cl20 neu geschrieben werden.
Was es mit dem zweiten Punkt auf sich hat und warum sich mein Bedenkenfinger energisch hebt, das gibt es im nächsten Beitrag.

1 Kommentar:

  1. Ellen, Danke für Deinen klärenden Beitrag zum CL20 MOOC! Auch Dein Hinweis auf die oft gemachte Gleichsetzung von sozialem und informellem Lernen ist richtig: Soziales Lernen ist aus meiner Sicht immer informelles Lernen, aber informelles Lernen ist nicht zwingend soziales Lernen.

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