Dienstag, 10. November 2015

#NEO15 Zwar nicht hemmungslos gesponnen, aber bunte Fäden gezogen

Gestern erst angekündigt, und jetzt schon wieder Vergangenheit: "unser" (Stefan Bleses und ich) kleiner Workshop Tabula Rasa statt etablierter Bildungssysteme #NEO15 hat stattgefunden.

Ein klassisches Barcamp war es heute nicht mehr, das Programm mit 45-minütigen Workshops gab die Strukturen vor, und ich gestehe: am Morgen fragte ich mich schon, ob wir neben so interessanten Themen wie "Coworking & Travel" oder "Digitale Transformation scheitert oft schon am Wollen und Können" mit "neue Kompetenzen" (siehe Plakat) Interessierte in den Raum locken könnten.
Konnten wir nicht - Kompetenzen sind als Lockmittel scheinbar wenig attraktiv. ABER: die digitale Ökonomie vom Menschen her denken - dieser (An-) Satz weckte Interesse und so tauschten Stefan und ich uns in lockerer Runde mit vier Teilnehmenden aus.
Vom Menschen her gedacht nahmen Stefan und ich schon vor Beginn ins Blickfeld und bauten den Raum flugs um: aus hintereinander stehenden Stuhlreihen (klassische Situation) wurde ein großer Tisch, denn in gemeinsamer Runde lässt sich besser die Tabula Rasa befüllen und traf, so zumindest eine anerkennende Bemerkung ob dieser Sitzordnung (es sei die einzige hier so), die Bedarfe aller eher als hintereinander aufgereiht zu diskutieren. Eigentlich, so könnte man sagen, keiner Bemerkung würdig, dieser kleine Umbau. Und dann doch wieder bemerkenswert, denn für mich passte schon diese Situation messerscharf ins Thema: raus aus bekannten Bildungsstrukturen, und das betrifft dann auch die Sitzordnung, meinen Sie nicht auch? Fazit: Stuhlreihen und Auditorium wären weitere Begriffe für ein Bildungs-Bullshit-Bingo, das am Vortag in Ermangelung von Teilnehmenden leider noch nicht starten konnte.

Lediglich einen Gedankenanstoß hatten wir mitgebracht und skizziert:

Wie wäre es, wenn wir, einem U-Bahnnetz gleich, persönliche Entwicklungspfade alleine und gemeinsam mit anderen planen und ansteuern könnten? Und flankierend hatten wir die 4 K, die Bildung im 21. Jahrhundert ausmachen sollen (hier ein interessanter Blogbeitrag von Lisa Rosa dazu) aufgeführt:  Kreativität, kritisches Denken, Kommunikation, Kollaboration.

Die wesentlichen Punkte unserer Diskussion spiegelt das folgende Bild:

Punkte, die aus den Berichten entstammen, was die Anwesenden bisher eben anders gemacht oder erlebt haben, die keine einzige Klassenraumsituation enthalten, sondern zum Beispiel

  • das Öffentlichmachen von Projekten verbunden mit einer Einladung an alle diejenigen mitzumachen, die glauben, im Projekt etwas beitragen zu können. Da bedarf es keines Trainings, um eventuelle "Kompetenzdefizite" auszugleichen, sondern nur der gegenseitigen Unterstützung,
  • das Treffen Einzelner, um Erfahrungen zu tauschen, als Beispiel würde eine ältere Kollegin genannt, die an ihrer Projekterfahrung teilhaben lässt und dafür z. B. Unterstützung in sozialen Medien erhält,
  • das Einführen agilen Projektmanagements auch mit neuen Tools ohne Training, by Doing und gegenseitiger Unterstützung,
  • offene Formate wie Barcamp oder FedEx-Nights bis hin zu wöchentlichen Treffen, um über Erlebtes, Neues, Problematisches zu berichten und den Rat der anderen einzuholen,
  • dass für solche Vorgehensweisen eine offene, transparente und dialogorientierte Umgebung vorhanden sein muß, mehr noch, dass eine Ökonomie und Bildung vom Menschen gedacht im Grunde nur unter dieser Prämisse realisiert werden kann.
  • HR und jede Form von Corporate Learning, so sah es ein Teilnehmer, bliebe wohl länger vor der Tabula Rasa sitzen, denn aus (nicht nur) seiner Wahrnehmung ist klassische HR schon jetzt überfordert, erst recht in digitalen Zusammenhängen. Ich glaube, es war das einzige Mal in diesem Zusammenhang, dass das Wort digital genutzt wurde. Und genau genommen: bei einer Betrachtungsweise vom Menschen aus braucht's auch nicht dieses Wortes.

Aber zugegeben, hilfreich sind die digitalen Devices schon, hätten wir früher so schnell ein Foto-Ergebnis produziert?

Kurze 45 Minuten förderten keine neue "Bildungswelt" zutage, lieferten aber erlebte Beispiele für den Ansatz, eben vom Menschen aus zu denken. Und so war es gut für mich, dass ich Anja C. Wagner und ununi.tv vertreten durfte, die gemeinsam mit Stefan eben diese Sichtweise zu #NEO15 und wir dann alle damit hoffentlich auch in breiteren Raum bringen.


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